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Janosch

 

Es war ein kalter, nasser Oktoberabend. Ich schaute mir gerade den Film "The Towering Inferno" im TV an, als er wie ein Blitz aus heiterem Himmel in unser Leben fegte. Wahrlich kein flammendes, vielmehr ein stinkendes Inferno!



Nachbars Kater Blacky schlief zufrieden in unserem Wohnzimmer, als mein Partner von draussen hereinkam, dieses kleine, stinkende Etwas im Schlepptau. Sein Fell war von undefinierbarer Farbe. Wahrscheinlich hätte aus ihm ein roter Kater werden sollen, aber aus irgend einem Grund geriet er ins "Stone-Washed-Programm" und war nun fast beige. Die Vorderbeine waren weiss, das Hinterteil unter einer dicken Dreckschicht versteckt. Was nun?

Aus gletschereisfarbenen Augen sah er mich erwartungsvoll an. Also erst mal Futter her! Dank Blacky hatte ich immer etwas im Haus. Dankbar stellte er sich gleich mit beiden Pfoten ins Näpfchen und frass und frass.

Kurzerhand steckten meine Töchter und ich sein Hinterteil in eine Schüssel Wasser und versuchten, während er vorne mit Fressen beschäftigt war, seine Rückseite von diesem entsetzlichen Gestank zu befreien. Geduldig ertrug er diese Prozedur, und schliesslich stand ein ganz sauberes, beigeweisses, mageres Katerchen vor uns. Nachbars liehen uns ein Kistchen mit Katzenstreu und wir sperrten den kleinen Kerl über Nacht in die Küche mit der sicheren Annahme, das am Morgen wohl alles verschmutzt sein würde. am nächsten Tag war die Küche zu unserem Erstaunen sauber, das Kistchen benutzt und wir wurden freudig begrüsst. Das Beste aber war, dass auch noch nach Tagen niemand einen kleinen Kater vermisste.



So begann damals die Liebe zu Janosch. Der Platz in unserem Herzen war ihm sicher! Nahtlos fügte er sich ein in unser Leben, so als wäre er schon immer da gewesen. Er dankte uns seine Rettung durch Anhänglichkeit und jede Menge Schmusestunden. Nur schnurren und miauen konnte er nicht. Stumm öffnete sich sein Mäulchen, aber kein Ton kam heraus. Der Tierarzt bestätigte uns aber, dass alles in Ordnung sei.

Die Zeit verging und aus Janosch wurde ein stattlicher, grosser Kater. Er war wunderschön mit seinem seidigen, beigerotenen Fell und seinen herrlichen Gletscheraugen. Wenn er einem so ansah, konnte man tief in ihnen versinken. -- Damit er nicht so alleine sei, beschloss ich, ihm einen Spielkameraden zu besorgen, der ebenso sanft und ruhig sein sollte wie unser Janosch. So zog Ragdoll-Kater Followme bei uns ein. Die beiden waren schon ein seltenes Gespann! Ganze Tage verschliefen sie und von wilden Katzenspielen war keine Rede. In Janosch's Augen waren wir Menschen dafür zuständig. Wir waren sein Mittelpunkt um den sich alles drehte und Followme -- nun -- der war eben einfach auch noch da. Also, da musste doch unbedingt noch etwas Leben in die Bude kommen! Die Antwort darauf hiess Noah Cheyenne und war ein roter, frecher, junger Wirbelwind. Es war Liebe auf den ersten Schnauzhaarkontakt zwischen den dreien! Nun flogen die Fetzen und unsere zwei Grossen waren gefordert. Wilde Verfolgungsjagden durch die ganze Wohnung begannen und Janosch und Noah waren bald unzertrennlich. Sie schliefen eng aneinandergeschmiegt und putzten sich gegenseitig. Followme diente als Nuckelkissen für Noah. Bis heute ist das so geblieben. Noah kuschelt sich an Followmes Bauch und saugt hingebungsvoll an seinen langen Haaren. Stundenlang konnte ich den dreien zusehen und mich an ihren Spielen ergötzen. Janosch blieb aber mein erklärter Liebling. Er war eben der Erste, und seinetwegen schafften sich meine älteste Tochter und meine Freundin auch Katzen an. Ihm verdankten zum Ertränken gedachte Katzen ein neues Zuhause.



Eineinhalb Jahre später, wir kamen gerade aus den Herbstferien zurück, war Janosch krank. Abgemagert und mit matten, fiebrigen Augen begrüsste er uns müde. Ich dachte er hätte wohl Heimweh gehabt, obwohl wir schon öfters weg waren und er zuhause stets liebevoll betreut wurde. also sofort zum Tierarzt. die Diagnose war niederschmetternd! FIP -- eine absolut tödliche Katzenkrankheit.

Der Tierarzt machte uns noch ein wenig Hoffnung. Manchmal könne man solche Katzen noch eine Zeitlang stabilisieren, wenn sie gut auf die Medikamente ansprächen. Nicht so unser geliebter Janosch. Der lange Abschied hatte begonnen. Keine Infusion half, er frass kaum noch und suchte unsere Nähe, wie nie zuvor. Sicher spürte er, was mit ihm geschah. Plötzlich wollte er im Bett meiner Tochter schlafen und nicht mehr bei den anderen Katzen. Tagsüber suchte er jeden Sonnenstrahl, den er erhaschen konnte und war immer ganz nah bei mir. Es tat so weh, ihn so dahinschwinden zu sehen!

Nach zehn Tagen konnte ich sein Leiden nicht mehr mit ansehen und beschloss schweren Herzens, ihn zu erlösen. Ich bin sicher, erwusste es und war froh darüber. Dankbar verbrachte er die letzte Nacht in meinem Bett, was er noch nie vorher getan hatte. Ich hielt ihn in meinen Armen und lauschte seinen schwachen Atemzügen. Am nächsten Tag kam dann der Tierarzt zu uns nach Hause. auf meinem Bett, auf seiner Lieblingsdecke, gestreichelt von uns allen, bekam er dann die befreiende Spritze. Bis zuletzt sah er mich an, dann schlossen sich seine schönen Augen für immer. -- Noah und Followme konnten es kaum fassen. Immer wieder stupsten sie den stillen Körper an und miauten kläglich

Lieber Janosch, zwei wunderschöne Jahre hast du uns geschenkt und meine Liebe zu Katzen geweckt. Du warst etwas ganz Besonderes und diese Geschichte soll ein kleines Dankeschön sein, für all die Liebe, die du uns gegeben hast!

 

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